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VILLA ROTONDA

 

Die Villa Rotonda1) wurde in den späten 1560iger Jahren nach Plänen des berühmten Architekten Andrea Palladio im Stile der damals populären Renaissance erbaut. Sie liegt nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum Vicenzas entfernt auf einer Hügelkuppe, von der man eine herrliche Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen genießen kann. Diese Allseitigkeit des Blickes hatte sicherlich einen sehr gewichtigen Einfluss auf die Gestaltung der Villa. Indem Palladio einen quaderförmigen Zentralbau mit jeweils einem Portikus bzw. einer Loggia an jeder der vier Außenwände entwarf, brachte er Natur und Architektur erfolgreich in Einklang2a). Einerseits gewähren die Loggien einen geschützten und ungestörten Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Andererseits ist der Anblick der Villa von allen Seiten der nicht zugebauten Umgebung gleichermaßen herrlich und erhaben2b).

Mit anderen Worten: Die prächtigen Fassaden des massiv errichten3) und hell verputzten Zentralbaus sind nahezu identisch. Sie werden in ihrer Ansicht wesentlich durch die vorgelegten Portiken bzw. Säulenhallen bestimmt, zu denen eine breite Freitreppe hinauf führt. Die Vorhallen bestehen aus jeweils 6 übergiebelten Säulen mit ionischen Kapitellen. Das Interkolumnium4) zwischen den beiden mittleren Säulen ist etwas größer als zwischen den anderen, damit der direkte Zugang zum Gebäude mit der dahinter liegenden Tür besonders betont werden kann. Der Raum zwischen den äußeren Säulen und der Außenwand wird durch eine Mauer mit großer rundbogiger Öffnung geschlossen. Auch das von einem Zahnschnitt5) gerahmte Giebeldreieck ist mit zwei kleineren ovalen Öffnungen versehen, zwischen denen ein Wappen angebracht ist. Auf dem Giebel und auch auf den Treppenwangen stehen Statuen. Das Gesims zwischen den ionischen Säulen und den Dreiecksgiebeln wird wie eine Klammer um den gesamten Baukörper herumgeführt und verbindet die Portiken mit dem Rest des Gebäudes. Ein weiteres Gesims gliedert die Fassade in Höhe der Säulenbasen. Desweiteren sind nur die schon eben erwähnten Türen und die Hauptgeschossfenster links und rechts der Säulenhallen besonders geschmückt. Sie werden von einer profilierten Rahmung umgeben und von einem Dreiecksgiebel gekrönt, der auf zwei geschwungenen Konsolen6) ruht. Die anderen Fenster neben den Türen und im Unter- und Attikageschoss sind nur in die Wand geschnittene Maueröffnungen. Zusammenfassend kann man sagen, dass Palladio die Fassaden der Villa Rotonda in Vicenza weder übermäßig noch allzu kleinteilig schmücken ließ, sondern fast ausschließlich auf die würdevolle und erhabene Wirkung eines übergiebelten Säulenportikus setzte. Das zeigt sich auch schon alleine daran, dass die Säulenhallen exakt die halbe Fläche der Hauptgeschossaußenwand verblenden. Als weit geöffnete Räume mit vorgelegter Freitreppe symbolisieren sie besonders die schon oben erwähnte enge, von Palladio bewusst beabsichtige Verbindung von Natur und Architektur, die genau an dieser Stelle fließend ineinander übergreifen.


teilweise vereinfachtes Holzmodell der Villa in einem Schaufenster in Vicenza

Die Fassade der Villa Rotonda erlaubt nur wenige Rückschlüsse darauf, wie ihre Innenräume angelegt sind. Die schon eben angesprochenen Gesimse verweisen zusammen mit der Fensteranordnung immerhin eindeutig auf insgesamt drei Geschosse. Die Existenz eines zentralen Rundraumes lässt sich vielleicht noch an der Kuppel auf dem Dach erahnen. Ansonsten ist eine Vorhersage eher schwierig, zumal die dem kubischen Bau vorgelegten Portiken wie eine Blendfassade wirken. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Außenwände sollen wohl kaum Transparenz gewähren, sondern vielmehr Macht, Reichtum, Eleganz und Bildung des Bauherrn Paolo Almerico widerspiegeln. Goethe bezeichnet die Villa Rotonda daher zurecht auch als "ein sinnliches Denkmal seines Vermögens."

1) Nach ihrem Bauherrn Paolo Almerico wird sie auch Villa Almerico, nach einem späteren Besitzer auch Villa Capra genannt. Palladio scheute sich übrigens, sie wegen ihrer unmittelbaren Nähe zur Stadt als Villa zu bezeichnen, da eine solche Benennung sich damals ausschließlich auf Landsitze bezog. Explizit spricht er von einer Lage in der Vorstadt.

2a) Palladio hat es in seinen Büchern über die Architektur folgendermaßen beschrieben: "Da man von jeder Seite wunderschöne Ausblicke genießt, worunter einige die nahe Umgebung erfassen, andere wiederum weiter reichen und wieder andere erst am Horizont enden, so hat man an allen vier Seiten Loggien errichtet."

2b) Goethe stellte während seiner Italienreise nach einem Besuch der Villa fest: "Und wie nun das Gebäude von allen Punkten der Gegend in seiner Herrlichkeit gesehen wird, so ist die Aussicht von daher gleichfalls die angenehmste."

3) Die Villa Rotonda ist ein Massivbau: Auch die Außenwände gehören also zum Gebäudetragwerk.

4) Abstand zwischen zwei Säulen        5) Balkenköpfe nachahmender dekorativer Streifen

6) aus der Wand vorspringender Tragstein

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