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SÜDFASSADE VILLA HÜGEL

 

Die imposante, nach klassizistischen Vorbildern im Stile des Historismus gestaltete Villa Hügel wurde in den frühen 1870iger Jahren mit einer Fassade aus Sandstein errichtet und diente der Industriellenfamilie Krupp bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als repräsentativer Wohnsitz. Sie befindet sich - nomen est omen - auf einer Anhöhe über dem Ruhrtal im heutigen Essener Stadtteil Bredeney.

Die Villa Hügel besteht aus drei miteinander verbundenen Baukörpern:

  • einem dreigeschossigen, auf rechteckigen Grundriss angelegten Großen Haus,

  • einem ebenfalls dreigeschossigen, auf quadratischen Grundriss angelegten Kleinen Haus und

  • einem schmaleren zweigeschossigen Verbindungstrakt bzw. Durchgangsbau zwischen Großem und Kleinem Haus.

Im folgenden werden nur die südlichen Fassaden der beiden Häuser und des Verbindungsbaus vorgestellt. Sie weisen zum heutigen Baldeneysee1) im Ruhrtal und bilden eine geschlossene gerade Linie, aus der nur ein doppelstöckiger Portikus, ein zweigeschossiger Standerker und der zentrale Abschnitt des Verbindungsbaus ein wenig hervorspringen. Der Verbindungsbau war übrigens ursprünglich eingeschossig: Bei größeren Umbauten an der Villa Hügel in den Jahren 1912 bis 1915 wurde er um ein Stockwerk erhöht. Dabei ließ man auch die Fassade des Verbindungsbaus erheblich umgestalten.


Großes Haus Südfassade

Das Große Haus ist - wie schon erwähnt - dreigeschossig. Die Höhe der einzelnen Geschosse wird durch breite Gurtgesimse an der Fassade vorweggenommen. Die 7 Fensterachsen, die nicht immer in gleichen Abständen aufeinander folgen, geben einen weiteren Hinweis auf die innere Raumaufteilung des Großen Haus. Durch die paarweise Anordnung der beiden äußeren und der drei mittleren Fenster gliedert sich die Fassade nämlich außerdem pro Geschoss in drei Abschnitte. Das bedeutet, dass man vermuten darf, dass sich hinter der Außenwand pro Geschoss jeweils drei voneinander getrennte Räume befinden. Und tatsächlich: Hinter diesen 3 x 3 Fassadensegmenten verstecken sich insgesamt 9 verschiedene Räume.

Die Fenster ruhen auf angedeuteten Postamenten, werden von profilierten Rahmenleisten mit Ohren umgeben und teils von geraden, teils von segmentbogigen Verdachungen gekrönt. In Höhe ihrer Sohlbänke verläuft ein Fenstergesims. Darunter verlaufen das Sockelgesims und die beiden Gurtgesimse, die um die Fensterpostamente und den doppelstöckigen Portikus verkröpft sind. Auf den kannelierten Säulenschäften des Portikus befinden sich im Erdgeschoss dorische Kapitelle2), im Obergeschoss korinthische Schilfkapitelle (siehe Foto unten). Sie tragen jeweils ein Gebälk, die einen Altan3) mit Schmiedeeisenbrüstungen stützen.


Portikus und Kranzgesims des Großen Haus

Das weit auskragende Kranzgesims ist mit einem Zahnschnitt4) geschmückt und wird von Volutenkonsolen5) getragen6). Oberhalb des Kranzgesims schließt die Fassade mit einer Balustrade bzw. Balusterattika ab. Die darüber befindliche massive Dachlaterne mit rechteckigen Fenstern, das so genannte Belvedere, zählt eigentlich nicht mehr zur Fassade.

Vom Portikus führt eine sechsstufige Freitreppe, auf deren beiden Wangen seit dem Jahre 1900 jeweils eine Sphinx steht, auf eine mit einem Kellergeschoss unterbaute Terrasse. Sie wird von einer Balustrade eingefasst, die natürlich nicht mehr zur eigentlichen Außenwand gehört, aber wegen ihrer unmittelbaren Nähe eine erhebliche optische Auswirkung auf das Erscheinungsbild der Fassade hat. Man kann daher nicht zu Unrecht feststellen: Die Südfassade des Großen Hauses wird sowohl oben als auch unten durch eine Balustrade begrenzt.


Kleines Haus Südfassade

Die mit einer Balustrade gesäumte Terrasse setzt sich ununterbrochen bis zum Kleinen Haus fort. Der obere Fassadenabschluss des Kleinen Haus wird allerdings nicht durch eine Balusterattika gebildet, sondern durch einen anders gestalteten Aufbau. Zwischen den Pfeilern befinden sich nämlich anstelle von Balustern jeweils vier Ornamente aus Palmetten und Voluten, die an antike Antefixa7) oder Akroteria8) erinnern. Unter dem Kranzgesims, das mit Konsolen5) und Zahnschnitt4) geschmückt ist, öffnen sich 5 kleine Fenster eines Halbgeschosses.


Ornamente auf der Attika des Kleinen Haus

Darunter liegen die 3 Vollgeschosse mit fünf Fensterachsen. Die drei mittleren Fensterachsen werden nicht nur durch ihre Nähe, sondern auch durch den zweigeschossigen Standerker und die gemeinsame Rahmung der oberen Fenster zusammengefasst. Diese Rahmung besteht aus 4 Halbpfeilern mit Halbkapitellen2), die eine horizontale Verdachung tragen. Die Erkerfenster andererseits werden sowohl von glatten Halbpfeilern als auch von kannelierten Pilastern10) flankiert. Die Pilaster9) haben im Untergeschoss ionische Kapitelle2), im Obergeschoss korinthische Akanthus-Volutenkapitelle2). Der Erker schließt oben mit Schmiedeneisenbrüstungen zwischen Pfeilern ab, die einen Altan3) umfangen. Im Untergeschoss des Erkers befindet sich eine zweiflügelige Tür, der eine Freitreppe vorgelagert ist. Auf ihren Wangen stehen Löwenskulpturen. Die beiden äußeren Achsen des Kleinen Haus werden durch Fenster mit Postament, Rahmenleisten und Verdachung und zudem durch Gesimse gegliedert. Die Gurtgesimse sind um den zentralen Erker verkröpft.


Kapitelle2) des Portikus am Großen Haus (links) und Kapitelle am Erker des Kleinen Haus (rechts)

Zur Südfassade des Kleinen Hauses gehört auch noch die nur sehr wenig zurückspringende Schmalseite eines zweigeschossigen Erkers an der Ostfassade. Dieser Erker sieht aus wie eine Verlängerung des Verbindungstraktes durch das Kleine Haus hindurch. Wie der Verbindungstrakt war auch dieser Erker ursprünglich eingeschossig. Seinen oberen Abschluss bildet eine schmucklose Attika. Die restliche Fassadengliederung - Gesimse und gerahmte Fenster mit einer Verdachung - entspricht der Gestaltung der äußeren Achsen des Kleinen Hauses.


Durchgangsbau bzw. Verbindungstrakt Südfassade

Der Durchgangsbau zwischen Großen und Kleinen Haus besteht aus 3 Quadern, bei denen der mittlere Quader durch seine Größe, seine reichhaltige Fassadendekoration und seine vorgeschobene Lage besonders ins Auge sticht. Eine gewisse Aufmerksamkeit erregen aber auch die beiden Drillingsfenster am etwas höher gebauten westlichen Quader.


linkes Foto: Drillingsfenster mit Gurtgesims, Postament, Fensterbankgesims,
profilierten Rahmenleisten mit Ohren, Halbpfeilern und segmenbogiger Verdachung;
rechtes Foto: Kapitelle2) der Doppelhalbpfeiler mit Akanthusblättern und Voluten

Am mittleren Quader befinden sich im Erdgeschoss die einzigen rundbogigen Öffnungen an der südlichen Fassade. Ihre unmittelbare Einfassung setzt sich aus schmalen Halbpfeilern, Kämpfergesimsen und einer gebogenen Rahmen- bzw. Profilleiste zusammen. Außerdem sind zwischen den rundbogigen Fassadenöffnungen sehr breite Halbpfeiler platziert. Die hochrechteckigen Fenster im Obergeschoss werden dagegen von schmaleren Doppelhalbpfeilern flankiert, deren gemeinsame Breite denen der einzelnen Pfeiler im Erdgeschoss entspricht. Doppelpfeiler gliedern auch die Balusterattika über den Kranzgesims. Zwischen dem Erd- und Obergeschoss befindet sich noch ein Gurtgesims, auf dem die Doppelhalbpfeiler ruhen.

In unserer heutigen Zeit, in der die Fassaden moderner Bauwerke meistens keine Ornamentik aufweisen, wirkt die Außenhülle der Villa Hügel recht prächtig. Tatsächlich spiegelt sich aber in der Fassade der Krupp-Residenz auch die Bescheidenheit, oder etwas drastischer gesagt: auch der Geiz des Bauherrn wider. Alfred Krupp zahlte nämlich nicht nur dem Architekten ein eher dürftiges Gehalt, sondern sparte auch gewaltig an der Ausschmückung der Außenwand. Unter prächtiger und üppiger Fassadendekoration verstand man zu seiner Zeit dann doch etwas mehr Prunk und Ornamentik.

1) Der heutige Ruhrstausee wurde erst in den frühen 1930iger Jahren angelegt. Zur Erbauungszeit der Villa Hügel war er also nicht vorhanden.

2) Säulenkopf bzw. Kopfstück einer Stütze

3) Balkon, der von Säulen oder Pfeilern gestützt wird

4) zahnreihenähnliche Anordnung von in regelmäßigen Abständen vorspringenden rechteckigen Steinen

5) Tragstein mit spiralförmiger Ornamentik

6) Zwischen den Volutenkonsolen befinden sich mehrere kleine Fenster, die darauf hindeuten, dass sich über dem 2. Obergeschoss des Großen Hauses noch ein Halbgeschoss befindet. Tatsächlich liegen dort die niedrigen Wohnungen des Personals.

7) antike Schmuckplatte am Dachrand   8) antike Schmuckplatte auf einem Giebel   9) Pilaster = Halbsäule

 

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