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Ein paar Infos und Gedanken zur Ernst-Moritz-Arndt-Universität

"Studieren, wo andere Urlaub machen" liest und hört man häufig in Greifswald und in der näheren Umgebung. Der einprägsame Spruch klingt nicht nur gut, sondern stimmt sogar. Man kann hier in der Region viel Urlaub machen und viel studieren. Wer viel arbeiten und Geld verdienen möchte, sollte wegen eines Mangels an entsprechenden Angeboten lieber nicht in diese äußerste Ecke Deutschlands kommen. Kurz gesagt: Neben der Peenewerft in Wolgast sind lediglich der Tourismus und die Universität in Greifswald die einzigen nennenswerten größeren Arbeitgeber im nordöstlichen Vorpommern.
Und für Greifswald selber ist die Bedeutung der Hochschule gar nicht zu überschätzen. Wohl und Weh der Stadt an der Ostsee hängen ohne Zweifel vollständig von der Universität und ihrer Existenz ab. Es ist sogar keine gewagte Behauptung, wenn man feststellt, dass sie seit ihrer Gründung im 15. Jahrhundert das einzige bedeutende ökonomische Standbein für Greifswald bildet. Vorher profitierte man vom prosperierenden Handel der Hanse, deren wirtschaftliche Bedeutung allerdings im späten Mittelalter auch für Greifswald stark abnahm. Aber dann wurde ja die Uni quasi als Rettungsanker für die frustrierten Hanseaten gegründet.

Oder anders und fast zutreffend gesagt: Im 15. Jahrhundert wird aus der Hansestadt die Universitätsstadt Greifswald. Am 17. Oktober 1456 findet die feierliche Eröffnung der Universität in der Nikolaikirche statt. Heinrich Rubenow, Bürgermeister von Greifswald und wesentlicher Initiator der Gründung, wird der erste Rektor der nunmehr zweitältesten Universität im Ostseeraum. Die ersten Geburtswehen setzen allerdings schon rund 20 Jahre früher ein: Die 1419 im mecklenburgischen Rostock gegründete Universität  musste aufgrund innerstädtischer Unruhen ihren Betrieb ab 1437 für sechs Jahre nach Greifswald verlagern. Da müssen die Greifswalder und auch der pommersche Herzog wohl auf dem Geschmack gekommen sein, doch einmal eine eigene Hochschule zu betreiben. Wie dem auch sei: Mehrere der Rostocker Dozenten, die ab 1437 für einige Jahre in Greifswald lehrten, zählten dann auch zum ersten wissenschaftlichen Personalbestand der 1456 gegründeten pommerschen Universität.

1637 starb das pommersche Herzogshaus aus. Wenige Jahre vorher hatte der letzte Herzog Bogislaw XIV der Universität nahezu den gesamten Grundbesitz des Klosters Eldena einschließlich 24 Dörfer überlassen. Diese Schenkung bewirkte nicht nur, dass die Universität zu eine der reichsten Hochschulen überhaupt wurde, sondern auch, dass die Finanzierung ihres Betriebes über Jahrhunderte hin gesichert war. Nach den eben erwähnten ausgestorbenen Herzögen wurden die Schweden offiziell ab 1648 Landesherren im westlichen Pommern. Die Skandinavier haben natürlich auch ihre Spuren hinterlassen: Unter der Regierungszeit ihres Königs Friedrich I errichtete man das heutige Unihauptgebäude in den Jahren zwischen 1747 und 1750.

Ein umfangreiches Bauprogramm wurde aber schließlich erst ab der 400-Jahr-Feier im Jahre 1856 unter preußischer Regentschaft verwirklicht: Im westlichen Teil der Altstadt entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an der Friedrich-Loeffler-Straße der große Baukomplex der Medizinischen Klinik, außerdem wurden in unmittelbarer Nähe des barocken Universitätshauptgebäudes das Physikalische Institut mit Sternwarte, das Auditorium Maximum, die Augenklinik, das Historische Institut und die mittlerweile Alte Bibliothek hochgezogen.

Die Anfang des 21. Jahrhunderts fertig gestellte neue Bibliothek befindet sich neben weiteren Universitätsneubauten rund 1 km östlich der Altstadt auf einem Gelände längs der Rudolf-Petershagen-Allee, das schon rund 100 Jahre früher für die bauliche Erweiterung der Universität vorgesehen war. Damals zur Zeit des ausgehenden Kaiserreiches und der Weimarer Republik kam es allerdings nur zur Ausführung weniger Spezialkliniken. 


Neubauten längs der Petershagen-Allee, rechts die Neue Bibliothek

Die Universität verteilt sich also auf zwei Zentren einerseits im westlichen Teil der Altstadt, andererseits längs der Rudolf-Petershagen-Allee. Nicht wenige Institute trifft man außerdem noch sporadisch auf dem Rest des westlichen Stadtgebietes an. Kurz gesagt: Es gibt keinen zentralen Campus. Fast überall in der Hansestadt kann man ein bisschen Uni finden. Nur die östlichen Vorstadtbezirke Greifswalds mit ihren zahlreichen Arbeiter- und Bauernfestungen aus sozialistischen Zeiten sind quasi unifrei, bieten jedoch teilweise überaus preiswerten Wohnraum für die mittlerweile rund 12000 Studenten. Für diesen finanziellen Vorteil muss man aber den sehr besonderen Reiz einer Betonplattensiedlung in Kauf nehmen.

Ernst Moritz Arndt hatte noch keine Möglichkeit, sich in dieser Gegend, d. h. im jetzigen östlichen Stadtgebiet, einzuquartieren. Er wohnte vielmehr in der heutigen Bachstraße nahe dem Marktplatz und war sowohl Student als auch Dozent in Greifswald. Seit 1933 ist die Universität übrigens nach ihm benannt. Weitere berühmte Greifswalder Studenten und Dozenten sind Friedrich Loeffler, Turnvater Friedrich Ludwig Jahn, der Mathematiker Felix Hausdorff, Eduard Norden, Theodor Billroth, Ferdinand Sauerbruch und noch einige andere. Zugegebenermaßen, der große Sauerbruch hat es nur 2 Jahre im schönen Greifswald ausgehalten, aber die anderen blieben länger ...

Zu Sauerbruchs Zeiten in Greifswald existierten nur die 4 sogenannten klassischen Fakultäten: die Rechts- und Staatswissenschaftliche, die Philosophische, die Theologische und die Medizinische Fakultät. Heute gesellt sich zu diesem Quartett noch die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät. Die Fakultäten selber zerfallen teilweise in eine Vielzahl von Instituten mit den unterschiedlichsten Studiengängen. So bieten die Philosophische Fakultät und ihre einzelnen Institute insgesamt eine dreistellige Zahl möglicher Studiengänge an. Darunter befinden sich auch die Fächer Fennistik, Baltistik und Ost- und Westslawische Philologie, die in Deutschland nur an der Greifswalder Uni angeboten werden.

 

© 2013 Andreas Reuter (seitdem nicht mehr aktualisiert)

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