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LOGGIA DEL CAPITANIATO

 

Die norditalienische Stadt Vicenza, die etwa 60 Kilometer westlich von Venedig liegt, zählt wie die Serenissima zum Weltkulturerbe der Menschheit. "City of Vicenza and the Palladian Villas of the Veneto", so lautet der genaue Eintrag in der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Da weiß man sofort, wem die Stadt ihren kulturhistorischen Ruhm zu verdanken hat. Palladio hat nämlich nicht nur in Venedig, sondern auch in Vicenza und Umgebung unvergängliche Meisterwerke der Renaissancearchitektur hinterlassen. Zu ihnen zählen nicht nur die berühmte Villa Rotonda oder die Fassadenneugestaltung des Palazzo della Ragione, sondern auch die hier vorgestellte Loggia del Capitaniato. In direkter Gegenüberstellung säumen die beiden zuletzt genannten Gebäude als öffentliche Repräsentations- bzw. Verwaltungsbauten den Hauptplatz Vicenzas, die Piazza dei Signori. Während der Palazzo della Ragione als städtisches Rathaus dient, war die Loggia del Capitaniato der Sitz des venezianischen Statthalters, des so genannten Capitano, der schon seit Anfang des 15. Jahrhunderts in einem Vorgängerbau an gleicher Stelle residierte. Dieser Vorgängerbau wurde in den Jahren 1571/72 nach Plänen und Entwürfen von Palladio durch die heute noch vorhandene Loggia ersetzt. Sie ist auf dem folgenden Foto abgebildet:

Die einzelnen Fassaden der Loggia del Capitaniato sind sehr unterschiedlich gestaltet. Im folgenden wird nur die Hauptfassade, die sich auf die Piazza dei Signori ausrichtet, in ihrer Gliederung und Dekoration kurz abgehandelt und besprochen. Drei große rundbogige Öffnungen bzw. Arkaden geben im Erdgeschoss den Blick auf einen überwölbten Raum1) frei. Das darüber befindliche Piano Nobile öffnet sich dagegen nur in drei hochrechteckigen, mit profilierten Rahmenleisten eingefassten Fenstern zur Piazza. Ihren Brüstungen sind fensterbreite Balustraden vorgelagert, die von einem zahnschnittgeschmückten Unterbau mit triglyphenähnlichen Konsolen2) gestützt werden. Erdgeschoss und Piano Nobile werden durch Dreiviertelsäulen mit Kompositkapitellen3) in der so genannten Kolossalordnung4) zusammengefasst. Diese Säulen verleihen der Loggia del Capitaniato einen starken vertikalen Akzent, der sich im fenster- und säulenbekrönenden Gebälk mit niedrigen Dreiviertelpfeilern fortsetzt und in den Halbpfeilern des Attikageschosses ausläuft. Vor den drei Fenstern des Attikageschosses erstreckt sich eine durchgehende Balustrade mit Zahnschnitt, die zusammen mit dem direkt darunter liegenden Hauptgesims die horizontale Ausrichtung des Gebäudes betont. Das Gesims wird durch Verkröpfung über die Dreiviertelpfeiler hinweggeführt. An dieser Stelle schneiden sich also die wesentlichen horizontalen und vertikalen Fassadenelemente. Ja, man kann sogar behaupten, dass die Stützen (Dreiviertelsäulen und -pfeiler) durch das Gesims oben zusammengefasst werden. Unten erfolgt eine ähnliche Zusammenfassung durch eine kleine Freitreppe, die die Säulenpostamente miteinander verbindet.

Das Mauerwerk zwischen den Säulen im Piano Nobile und in den Bogenzwickeln ist mit reichhaltigem Stuckdekor verblendet. Die Balkone werden zwischen dem Sohlbank- und Gurtgesims von Masken flankiert, während in den Zwickeln reliefierte Figuren angebracht sind, die Wasser ausschütten. Es handelt sich dabei um personifizierte Flüsse. An mehreren Stellen ist der Stuckdekor bereits abgefallen, so dass das eigentliche Baumaterial der Fassade wieder sichtbar wird. Den roten Backstein kann man auch an den unverputzten Säulen erkennen. Nur die Säulenbasen und -postamente und der Gebäudesockel bestehen aus weißem Naturstein. Farbreste an den Säulenschäften legen allerdings nahe, dass sie ursprünglich hell verputzt waren. Somit ist das heutige Zusammenspiel von roten und weißen Fassadenflächen wohl nicht den Entwürfen Palladios, sondern eher dem Zahn der Zeit zu verdanken.

Trotz des reichhaltigen Stuckdekors wird die Vorderseite der Loggia del Capitaniato in Vicenza nicht von der kleinteiligen Form, sondern von der Monumentalität der Säulen und Arkaden einerseits und der Geradlinigkeit der Fenster, Gesimse und Balustraden andererseits, sprich: von den klaren und erhabenen Formen der Renaissance, dominiert. Gleichwohl kündigt sich in der Kolossalordnung der Säulen und im reichhaltigen Stuckdekor schon der herannahende Barock an.

1) Eine solche offene Bogenhalle wird als Loggia bezeichnet.

2) Gemeint ist ein aus der Wand vorspringender Tragstein in Form einer Dreischlitzplatte (Triglyphe).

3) Säulenkopf, der sich aus Teilen des ionischen und korinthischen Kapitells zusammensetzt

4) Säulen, die sich über mehrere Geschosse erstrecken

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