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HAUS VAN´T SESTICH IN LEUVEN

 

Das Haus van´t Sestich in Leuven (Löwen) wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts von Golin van´t Sestich errichtet, der aus der Eifel in die flandrische Universitätsstadt eingewandert war. Die Davidssterne im Giebel des recht prachtvollen Patrizierhauses legen eine jüdische Abstammung seiner Familie nahe. Oberhalb des zentralen Sternes befindet sich eine Inschrift mit den Ziffern XL. Die römische Zahl für 60 ist eine bewusste Anspielung auf den Familiennamen des Erbauers.

Ansonsten verrät die Gestaltung der Fassade außerdem, dass sich damals im nördlichen Europa die neuen Ideen, Konzepte und Bauformen der Renaissance noch nicht durchgesetzt hatten. Vielmehr blieb man hier bis zum Ende des 15. Jahrhunderts weiterhin dem gotischen Stil treu. Das zeigt sich unübersehbar insbesondere an den spitz auslaufenden Blendbögen, die nicht nur den ansehnlichen Treppengiebel gliedern, sondern in ihren 4 Bahnen auch die Fenster der beiden beiden Vollgeschosse aufnehmen.

Diese Spitzbögen bilden ein in sich verwobenes 1-2-4-System: Ein breiter normaler Bogen fast zwei Lanzettbögen1) zusammen, die wiederum jeweils zwei kleinere Lanzettbögen überspannen. Die Flächen dazwischen werden im Giebel mit Maßwerk2) aus Kreisen, Passen3), Dreiblättern, Davidssternen und griechischen Kreuzen, in den Vollgeschossen mit hochrechteckigen Fenstern ausgefüllt.

 

Die Maßwerkausfüllung des mittleren größten Kreises am Giebel verdient bevorzugte Beachtung (siehe Foto unmittelbar über diesen Text): Die Zwickel außerhalb des vieleckigen Davidsterns werden mit insgesamt 6 stehenden Vierpassen verblendet. Ein weiterer Vierpass befindet sich im Zentrum des Sternes. Dieser Vierpass wird von einem Kreis mit sechs angefügten Kleeblattbögen gerahmt, die zusammen ein sechspassähnliches Gebilde formen4). Dieser außergewöhnliche Sechspass mit geschlossenen innerem Kreis wirkt an dieser Stelle wie eine Übertragung des jüdischen Symbols in die gotische Formensprache. Die sechs Kleeblattbögen entsprechen in diesem Zusammenhang den sechs gleichseitigen Dreiecken, der geschlossene innere Kreis dem regelmäßigen Sechseck des Davidsterns. Ähnliche Sechspasse befinden sich übrigens auch in den Zentren der beiden benachbarten Sterne am Giebel.

Das einzige Maßwerk im Bereich der Vollgeschosse kann man als Bekrönung der oberen Fenster direkt unterhalb des Giebels entdecken. Die beiden mittleren Kleeblattbögen sind allerdings beim nachträglichen Einbau der Giebelfenster leider zwangsweise zerstört worden. Trotz dieses nicht unerheblichen Eingriffes kann man aber immer noch behaupten, dass die Fassade des Hauses van´t Sestich in Löwen ein hervorragend erhaltenes Beispiel für die Baukunst der Gotik liefert.

1) überhöhter Bogen

2) geometrisch gemessenes bzw. konstruiertes Bauornament aus meist gebogenen Profilsteinen

3) Der Pass zählt zu den häufigsten Maßwerkformen. Dabei handelt es sich um einen Kreisbogen, der z. B. mehrfach um einen Mittelpunkt herum zu einem geschlossenen Gebilde aneinander gereiht werden kann. Vier solcher aneinander gereihter Kreisbögen bilden z. B. einen Vierpass.

4) Die Struktur ähnelt nicht nur einem Sechspass, sondern im gewissen Maße auch einer Fensterrosette.

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