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HAUS BORLUUT IN GENT

 


Haus Borluut

Das Haus Borluut (Borluutsteen) steht am Getreidemarkt (Korenmarkt) in Gent. Es wurde um 1175 von der ortsansässigen Patrizierfamilie Borluut erbaut, die durch Holzhandel zu Wohlstand gelangt war und sich somit ein massives Steinhaus leisten konnte. Ihr Wappen, auf dem drei vergoldete Hirsche auf blauem Untergrund abgebildet sind, ist übrigens zwischen den mittleren Fenstern im ersten Obergeschoss angebracht.

Die meisten, aus dem 12. oder den vorhergehenden Jahrhunderten erhaltenen Gebäude sind keine profanen, sondern sakrale Bauwerke. Daher kann der Kunsthistoriker die Architektur der Romanik heute fast ausschließlich nur an Kirchen studieren. Dass ein profanes romanisches Gebäude wie das Haus Borluut die Wirren der vielen Jahrhunderte überstanden hat, ohne zerstört, abgerissen oder erheblich umgebaut worden zu sein, ist dagegen schon ein echter kunsthistorischer Glücksfall.

Zugegebenermaßen hat man diesem Glücksfall etwas nachgeholfen, denn der Giebel von Haus Borluut ist im Jahre 1933 rekonstruiert worden. Es handelt sich dabei um einen mit Dachziegeln eingedeckten Treppen- bzw. Staffelgiebel. Links und rechts wird er von jeweils einer rechteckigen, ebenfalls mit Ziegeln eingedeckten Zinne1) flankiert. Die Giebelfläche wird durch zwei Gesimse, zwischen denen ein kleines Fenster eingepasst ist, in drei Zonen gegliedert. Die beiden leicht vorspringenden Streifen verlaufen in Höhe des Fenstersturzes und der Sohlbank. Man kann daher auch von einem Sturz- und einem Sohlbankgesims sprechen.

Das gleiche gilt für die darunter liegenden Fenster in den Vollgeschossen: Sie befinden sich ebenfalls zwischen einem Sohlbank- und einem Sturzgesims, wie man auf dem folgenden Foto sehr deutlich erkennen kann:

Die Fenster in den Vollgeschossen von Haus Borluut in Gent sind aber keinen bloßen Maueröffnungen, sondern so genannte Zwillingsfenster, die durch eine Mittelsäule in zwei hochrechteckige Flächen geteilt werden. Senkrecht stehende Steine oberhalb des Sturzgesimses bilden einen Überfangbogen2). Die für romanische Zwillingsfenster typische zusätzliche Doppelarkade3) unterhalb des Überfangbogens fehlt allerdings. Stattdessen trägt die Mittelsäule das lineare Sturzgesims. Durch die vielen Gesimse erhält die Fassade übrigens eine auffallend horizontale Betonung.

Abgesehen von den Fenstern in den Obergeschossen befinden sich noch vier große rundbogige Öffnungen bzw. Eingänge im Erdgeschoss. Weitere Gliederungs- bzw. Schmuckelemente sind auf der Außenwand zum Korenmarkt nicht vorhanden. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Gestaltung und Ausschmückung der Fassade von Haus Borluut darf man als recht einfach und zurückhaltend beschreiben. Daher tragen auch das Mauermaterial und die Art des Steinverbandes erheblich zur Außenwirkung der Fassade bei. Das unregelmäßige Bruchsteinmauerwerk aus Tournai-Kalkstein strahlt einen schroffen und wehrhaften Charakter aus, der noch durch die beiden Zinnen1) neben dem Giebeldreieck verstärkt wird. Haus Borluut wirkt wie eine kleine Festung mitten in der Stadt. Sicherlich war diese Wirkung nicht unbeabsichtigt, denn damit ließ sich nebenbei auch gut die bedeutende gesellschaftliche Stellung und Macht der vermögenden Hausbesitzer zeigen.

Korenstapelhuis

Das Korenstapelhuis am alten Hafen ist ein weiterer romanischer Bau aus dem späten 12. Jahrhundert in Gent. Deutliche Ähnlichkeiten der beiden Fassaden kann man auf den ersten Blick feststellen. Allerdings sind auch im Giebel des Korenstapelhuis Zwillingsfenster eingebaut. Im zweiten Oberschoss werden sie zudem von höher ausgebildeten  Überfangbögen2) bekrönt. Da hier das Mauerwerk zwischen Sturz und Bogen etwas zurücktritt, kann man in diesem Fall auch von so genannten Blendbögen sprechen. Und schließlich befinden sich nicht nur im Erdgeschoss, sondern auch im ersten Obergeschoss große rundbogige Öffnungen.

1) Eine Zinne ist ein gemauerter Aufsatz einer Brustwehr. Beim Haus Borluut handelt es sich um einfache rechteckige Zinnen mit Satteldach.

2) Der Überfangbogen ist in der Form eines so genannten Entlastungsbogens konstruiert, denn der Bereich zwischen Fenstersturz und Bogen ist ausgemauert.

3) Arkade wird hier als Synonym für Bogen verwendet.

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