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Die Fassade - eine informative und vielseitige Einführung

Zur Abwehr von unvorteilhaften Witterungsbedingungen bedient sich der Mensch schon seit langer Zeit der schützenden Hülle, sei es in der Form von Kleidung oder in der Form eines abgeschlossenen Raumes. In der urgeschichtlichen Zeit wird er wohl zuerst Tierfelle einerseits und Höhlen andererseits zu diesem Zweck genutzt haben. Vor rund 30000 Jahren wird die Höhle bzw. das zufällige natürliche Obdach allmählich durch konstruktives Anlegen von Räumen abgelöst. Je nach Lebensweise entstanden entweder ortsfeste Räume bzw. Gebäude für die sesshafte Bevölkerung oder Zelte für die mobile nomadische Gesellschaft. Das sind auch heute noch zwei bedeutende Mittel des räumlichen Einhüllens. Im Zuge der technologischen Weiterentwicklung haben sich zu den mobilen bewohnbaren Räumen später noch Wasser- und Landfuhrwerke (Wohnwagen, Wohnschiffe, etc) gesellt. Außerdem konnten ortsfeste Gebäude schließlich so massiv errichtet werden, dass ihre Außenhülle nicht nur den Schutz vor unangenehmer Witterung, sondern gegebenenfalls auch vor unerwünschten Gästen wie beispielsweise Feinden übernehmen konnte.

Der Begriff Fassade für die raumabschließende Außenhülle eines ortsfesten Gebäudes ist über das französischen Wort la façade in die deutsche Sprache gelangt. Im ursprünglichen Sinne wird mit diesem Wort die Außen- bzw. Vorderseite irgendeines Objektes bezeichnet. In architektonischer Sicht bezieht sich der Ausdruck Fassade insbesondere auf alle äußeren sichtbaren vertikalen Begrenzungsflächen eines ortsfesten Gebäudes. Andere Begrenzungsflächen wie horizontale oder geneigte Dächer werden dagegen in der Regel nicht als ein Teil der Fassade angesehen. Zugegebenermaßen engt die kunstgeschichtliche Wissenschaft den Begriff der Fassade gerne ausschließlich auf die Hauptansichts- bzw. Vorderseite eines Gebäudes ein, da sie in der Regel besonders elegant und repräsentativ gestaltet ist und sich somit deutlich von allen anderen Außenwänden abhebt. Problematisch ist diese Einschränkung allerdings besonders bei freistehenden Gebäuden, bei deren Errichtung alle Außenwände in ähnlicher Weise prunkvoll und kostspielig gestaltet wurden. Als Beispiele seien zwei berühmte Zentralbauten genannt: die Frauenkirche in Dresden und die Villa Rotonda in Vicenza. Gebäude an Straßenecken weisen ebenfalls häufig nicht nur eine, sondern zwei aufwändig dekorierte Schauseiten auf. Um diesen Konflikten auszuweichen, ist es sinnvoller und angebrachter, alle sichtbaren Außenwände eines Gebäudes generell als Fassade zu bezeichnen.


Villa Rotonda in Vicenza


Frauenkirche in Dresden

Die Wörter Fassade und Außenwand können übrigens oft synonym verwendet werden: Beide benennen schließlich die Schnittstelle eines Gebäudes mit seiner Umwelt, setzen aber andere Betrachtungsschwerpunkte. Will man nur den nüchternen technisch-konstruktiven Aspekt einer Gebäudehülle betonen, so spricht man eher von einer Außenwand. Wenn der optische Aspekt und die ästhetische Wirkung einer Gebäudehülle im Vordergrund stehen soll, gebraucht man in der Regel den Ausdruck Fassade. Das lässt sich auch ganz einfach mit der ursprünglichen Herkunft des Wortes vom lateinischen Begriff für Gesicht und Anblick (facies) erklären.

Die Fassade übernimmt in ihrer technisch-konstruktiven Außenwandfunktion also nicht nur den Schutz vor widrigen Witterungsbedingungen und vor ungebetenen Gästen. Vielmehr hat die Fassade auch erhebliche ästhetische Aufgaben, denn sie ist die Schauseite zum öffentlichen Raum und somit der erste Eindruck, den man von einem Gebäude erhält. Eine gefällige Gestaltung und Gliederung der Fassade zählt sicherlich zu den besonderen architektonischen Herausforderungen und Leistungen. So wie im Einzelfall die Anforderungen an den Witterungsschutz vom jeweiligen örtlichen Klima und die Baumaterialen von lokal verfügbaren Ressourcen abhängen, so müssen auch bei der ästhetischen und formalen Gestaltung der Fassade einige wichtige Faktoren berücksichtigt werden. Natürlich zählen zu diesen Faktoren auch der persönliche Geschmack und die finanziellen Möglichkeiten des Bauherrn. Einen essentielleren Einfluss auf die Fassadengestaltung übt aber der so genannte Zeitgeist aus. Dass beispielsweise die Gesellschaft im wilhelminischen Kaiserreich über ein anderes Selbstverständnis verfügte und andere Vorbilder und Werte pflegte als spätere Generationen, lässt sich unübersehbar am Vergleich zwischen damals und heute erbauter Fassaden ablesen. Das Foto rechts neben diesen Text, das zwei in einem Abstand von rund 100 Jahren errichtete Bauwerke zeigt, möchte diesen Sachverhalt andeutungsweise veranschaulichen.


Gebäude vom Ende und Anfang
des 20. Jahrhunderts in Hamburg

Unabhängig von Zeitgeist und Epochen sind jedoch zwei Fassadengliederungselemente absolut notwendig: Fenster und Türen. Schließlich soll ein Gebäude betreten und mit natürlichem Licht ausgeleuchtet werden können. Sicherlich kann man unter Umständen auf Fenster verzichten und die Räume eines Gebäudes künstlich erhellen. Nichtsdestotrotz würde dann aber die Aussicht vom Inneren des Gebäudes in die äußere Umgebung fehlen. Zudem müsste man auch auf künstliche Belüftung zurückgreifen. Das sind erhebliche Qualitätsminderungen, die sich allerhöchstens für außergewöhnliche Bauwerke rechtfertigen lassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Eine Außenwand bzw. Fassade muss Zugang, Lichteinfall, Frischluftzufuhr und Sichtbezug nach außen gewähren. Und dazu sind gliedernde Öffnungen in Form von Fenstern und Türen einfach unerlässlich.

Bei der weiteren Gestaltung der Fassade kann man im Prinzip völlig seiner Fantasie und seinen finanziellen Möglichkeiten folgen, solange dadurch nur nicht die Baustatik gefährdet wird. Einfache Häuser in der so genannten Volksbauweise weisen in der Regel kaum andere Fassadengliederungselemente als Fenster und Türen auf. Die Ornamentik ihrer Außenwände beschränkt sich in der Regel allerhöchstens auf ein paar Variationen im Mauerwerksverband. Schlösser, Paläste, Villen und Kirchen dagegen erregen oft aufgrund der üppigen Dekoration ihrer Außenwände höchste Aufmerksamkeit. Viele der ältesten erhaltenen Gebäude in Deutschland sind Kirchen und stammen aus dem Hochmittelalter. Dem Zeitgeschmack entsprechend wurden sie im Stile der Romanik erbaut. Ihre Natursteinfassaden werden durch kleine Rundbogenfenster, Blendarkaden, Lisenen, Friese und Zwerggalerien gegliedert und geschmückt. In den Jahrzehnten um 1200 wird der romanische Baustil allmählich durch die Gotik verdrängt und infolgedessen das kleine Rundbogenfenster durch das viel größere Spitzbogenfenster ersetzt. Die Bogenfelder werden nun von geometrischen Formen, dem so genannten Maßwerk, geziert, das als das charakteristische Fassaden- bzw. Bauornament der Gotik gilt. Auf der Grundlage antiker Bauformen und -elemente bricht ab dem 15. Jahrhundert die Kunstepoche der Renaissance an. Die repräsentativ gestalteten Außenwände von Kirchen, Rathäusern, Schlössern und Palästen werden nun u. a. mit Säulen, Pilastern, Balustraden, Eierstäben und Beschlagwerk geschmückt. Ab ungefähr 1600 folgt das Zeitalter des Barock. Kunsthistorisch gesehen handelt es sich um eine Weiterentwicklung und Steigerung der Renaissance, die zur üppigsten und größtmöglichsten Prachtentfaltung auch an den Fassaden führte. Die schon vorher in der Renaissance verwendeten Schmuckformen wurden im wesentlichen beibehalten, aber auch ergänzt, z. B. durch die Rocaille oder das Ochsenauge. Nicht selten überführte man die Ornamentik sogar in größere Dimensionen: Säulen treten nun beispielsweise häufig in Kolossalordnung auf. Der um 1770 einsetzende Klassizismus besinnt sich wieder auf eine deutlich ruhigere und klarere Fassadengestaltung mit maßvoll ausgewogener Dekoration. Während die Renaissance sich hauptsächlich an antiken römischen Bauten orientierte und dabei eigenständige neue Werke schuf, spielen bei der klassizistischen Architektur sowohl Bauwerke der Alten Römer als auch der Alten Griechen eine so bedeutende Vorbildrolle, dass man schon fast von Imitation und Kopie antiker Gebäude sprechen kann. Dementsprechend beherrschen u. a. Säulen und Pilaster das Fassadenbild, das nun nicht mehr die verspielt geschwungen Formen des Barock aufweist, sondern linear und rechtwinklig gegliedert ist. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gesellen sich zur klassizistischen Architektur weitere Baustile, die ebenfalls auf alte Vorbilder imitierend zurückgreifen. Das Zeitalter des Historismus mit seinem Stilpluralismus und seinen Neostilen bricht an. Gemäß der Vorliebe des Bauherrn und in bestimmten Fällen gemäß der Funktion des Gebäudes werden Fassaden nun nach Art der Neoromanik, der Neogotik, der Neorenaissance, des Neobarock oder des Neoklassizismus gestaltet. Dabei kam es auch oft zur Vermischung mehrerer alter Stile an einem einzigen Gebäude. Lange Rede, kurzer Sinn: Man bediente sich des gesamten bis dahin entwickelten architektonischen Formenkanons und schuf eine ungeheure bauliche Vielfalt. Kurz vor 1900 wurden die alten Stile durch einen neuen, jungen Stil, den so genannten Jugendstil, ergänzt und teilweise abgelöst. Fließende geschwungene Liniengebilde und florale Ornamentik zieren die Fassaden des neuen Baustils. Die Außenwände wirken nun eher spielerisch heiter und nicht mehr würdevoll ernst. Die Architektur der Moderne bzw. Gegenwart setzt sich allmählich nach dem Ersten Weltkrieg durch. Ihre Ursprünge reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als mit dem Gewächshaus in Chatsworth und dem Kristallpalast in London die ersten Bauwerke und Fassaden errichtet wurden, die nur aus Glas und Metall bestanden. Abgesehen von den neuen Baumaterialen, zu denen sich neben Eisen bzw. Metall z. B. auch noch Stahlbeton gesellte, trug ebenfalls die zunehmende Bedeutung des Skelettbaus dazu bei, dass die Fassaden der Moderne andere Formen und Gestalten als der traditionelle, auch heute noch weit verbreitete Massivbau aus Stein oder Holz annehmen können. Außenwände eines Skelettbaus werden nämlich größerenteils oder sogar vollständig aus Glas oder anderen nicht gebäudetragenden Materialien gebildet. Der Bruch der Moderne mit der historischen Architektur zeigt sich aber am deutlichsten an der Ablehnung des Fassadenornaments. Heutige Gebäude, seien es Skelett- oder Massivbauten, sind in ihrer architektonischen Strukturen häufig ornamentlos. Gemäß dem Gestaltungsprinzipien „Weniger ist mehr“ und „Form Follows Function“ unterliegen sie rein funktionalen und rationalen Bauprinzipien. Ihre Außenwände können sich aber durch die Qualität, Art und Gliederung der verwendeten Oberflächenmaterialien und insbesondere auch durch Monumentalität auszeichnen, wenn sie z. B. die Hülle eines Hochhauses bilden. Außerdem ist in der modernen Architektur doch noch ein generell akzeptiertes Fassadenornament übrig geblieben. Auch heute noch schmückt man vornehmlich die Außenwände und Balkone von Wohngebäuden gerne mit Blumenkästen oder anderen kleinen Gewächsen und schafft somit einen fließenden Übergang vom Gebäude zum Vorgarten. Eine wirkliche Synthese der Fassade mit der Umgebung bzw. Natur zeigt sich z. B. in dem Hochhausprojekt Bosco Verticale in Mailand, bei dem die gesamte Außenwand mit Bäumen verkleidet ist, weil jedes Apartement über einen eigenen Balkon mit Miniwald verfügt.


Romanik: Haus Borluut


Gotik: Rathaus Leuven


Renaissance:
Leisthaus Hameln


Barock:
Kirche St. Peter und Paul
in Mechelen


Historismus:
Villa Hügel in Essen

Fassaden kann man aber nicht nur nach Kunst- oder Zeitepochen, sondern auch nach technisch-konstruktiven Kriterien einteilen. Von erheblicher Bedeutung ist hierbei sicherlich der Sachverhalt, in wie weit die Außenhülle eines Gebäudes neben ihren raumabschließenden auch tragende Funktionen übernimmt. Keine Trennung zwischen diesen beiden Funktionen bestehen bei den so genannten Massivbauten. Ihre Fassaden gehören vollständig zum Tragewerk eines Bauwerks. Den Gegensatz dazu bilden Außenwände von Stahl- bzw. Stahlbetonskelettbauten, die keinerlei Gebäudelasten abtragen, sondern hauptsächlich nur zum Raumabschluss dienen. Auf der Grundlage dieser Technik können Hochhäuser z. B. mit nicht tragenden Vorhangfassaden bzw. Curtain Walls aus Glas oder Aluminium verkleidet werden. Teils tragende Funktionen übernehmen beispielsweise die Außenwände von Fachwerkbauten. Das Holzskelett ist ein Teil des Gebäudetragewerkes, aber die Ausfachungen dienen nur zum Raumabschluss. Schließlich gibt es auch noch selbsttragende Fassadenkonstruktionen, die nur ihre eigenen Lasten in die Fundamente bzw. in den Boden abführen.

Die Auswahl des Baumaterials für die Außenwände kann also mit ihrer Tragewerksfunktion eng zusammenhängen. Überdimensional große Glasflächen eignen sich nicht unbedingt für tragende Konstruktionen. Der traditionelle Werkstoff Stein ist dagegen in der Regel Teil einer tragenden Außenhülle. Weitere Fassadenmaterialien können Holz, Lehm, Beton oder Metalle sein. Aus Stein errichtete Außenwände strahlen Dauerhaftigkeit, Schwere und Erhabenheit, aber auch Verschlossenheit aus. Glasfassaden dagegen wirken transparent und offen, dafür aber auch zerbrechlich, leicht und mittelfristig. Fachwerkkonstruktionen aus Holz und Lehm erscheinen nicht zu schwer, weniger erhaben und verschlossen, aber doch recht stabil. Der verwendete Fassadenbaustoff leistet insbesondere dann einen erheblichen Beitrag zur Oberflächenwirkung der Außenwand, wenn er frei sichtbar und nicht z. B. mit Putz oder Schindeln verkleidet ist.

Ornamente und Inschriften auf der Gebäudehülle können das Baumaterial ebenfalls in den Hintergrund treten lassen. In diesem Fall wird die Fassade außerdem zu einem Bild- und Informationsträger mit ganz spezifischen Botschaften entsprechend dem historischen, gesellschaftlichen und lokalen Kontext. Zu den eben erwähnten Ornamenten und Inschriften, die man als statische Fassadenkomponenten bzw. -zutaten bezeichnen kann, gesellen sich heute auch noch dynamische Elemente in der Gestalt von Bildschirmen und anderen Leuchtmitteln. Bei ihrer großflächigen Verwendung an den Außenwänden spricht man gerne von so genannten Medienfassaden, die den höchsten Grad ihrer optischen Wirkung aber erst bei Dunkelheit erreichen können.


Medienfassaden

Je mehr eine Fassade mit diversen Ornamenten und Medienträgern verkleidet wird, um so mehr wird in der Regel auch die dahinter liegende Gebäudestruktur verschleiert. Es ist eine Angelegenheit des persönlichen Geschmacks und spezifischer Absichten, in wie weit Außenwände die innere Raumanordnung vorwegnehmen sollen oder nicht. Der Grad der Vorwegnahme bzw. Transparenz kann sehr unterschiedlich sein. Sogar die zielgenaue Verwendung bestimmter Ornamente vermag diesem Zweck zu dienen: Geschosstrennende Gesimse beispielsweise können die vertikale Gliederung des Gebäudeinneren veranschaulichen und betonen. Ganz anders verhält es bei den so genannten Blend- bzw. Scheinfassaden: Sie erreichen ein Minimum an Vorwegnahme, da sie einem nicht gleichartigen Baukörper vorgelagert sind und seinen Aufriss und seine Geschoss- und Raumeinteilung nahezu vollständig verschleiern können. Den höchsten Grad an Transparenz und Vorwegnahme verwirklichen dagegen Fassaden aus durchsichtigem Glas.


Fassadenornament mit
spezifischer Botschaft:
Giebel einer Arztvilla
mit Äskulapstab


Glasfassade

Glasfassaden werden oft in Zusammenhang mit einer Pfosten-Riegel-Konstruktionsweise errichtet. Diese Konstruktionsweise besteht aus vertikalen Pfosten und horizontalen Riegeln, die direkt vor dem Rohbau zu einem skelettartigen Raster zusammengesetzt und dann mit Glasflächen oder anderen Materialen ausgefacht werden. Und damit wären wir bei den verschiedenen Bauweisen von Außenwänden angelangt. Heute wie früher ist die massiv aus einzelnen Steinen aufgemauerte Wand sicherlich immer noch die häufigste Konstruktionsart. Neben der Stein- und der eben erwähnten Pfosten-Riegel-Fassade gibt es noch mehrere weitere Formen der Gebäudehülle, die z. B. massiv aus Beton oder skelettartig aus Holz und Lehm, wie die traditionellen Fachwerkhäuser, gebildet werden können. Die schon weiter oben angesprochene Vorhangfassade (Curtain Wall) kann entweder als Pfosten-Riegel-Konstruktion oder in der so genannten Elementbauweise gestaltet werden. Bei letzterer werden vorgefertigte gerahmte Einzelelemente, die schon alle Fassadenkomponenten enthalten, direkt nebeneinander vor den Rohbau angeordnet. Außer einschaligen Gebäudehüllen wurden in der modernen Zeit auch mehr- bzw. zweischalige Systeme entwickelt, die man Doppelfassade nennt. Die beiden Außenwandebenen, die unterschiedliche Funktionen übernehmen, sind durch einen belüftbaren Zwischenraum voneinander getrennt. Unter mehrschaligen Fassaden versteht man aber beispielsweise nicht eine massive Außenmauer, auf die direkt eine Putz- oder Wärmedämmschicht aufgetragen wird. Sie ist nur aus mehreren Materialien aufgebaut. Zu den mehrschaligen Konstruktionen zählt dagegen u. a. die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF), bei der die äußere Verkleidung (Sekundärfassade) durch eine Luftschicht von der inneren Außenwand (Primärfassade) getrennt ist. Bei der VHF übernimmt die Außenhaut den Witterungsschutz, während die innere Schale in erster Linie der Wärmedämmung des Gebäudes dient.


Fassade in Elementbauweise

Das Stichwort Wärmdämmung ist eine gute Überleitung zu weiteren, eher modernen Anforderungen an die Gebäudehülle: In Zeiten wachsenden Umweltbewusstseins und steigender Energiekosten spielen nämlich energetische und ökologische Aspekte bei der Fassadengestaltung eine kontinuierlich zunehmende Bedeutung. Einerseits soll die Außenwand mit wärmedämmenden Mitteln bzw. Schichten den Verbrauch teurer und klimafeindlicher Energieressourcen reduzieren. Anderseits soll sie günstige und saubere Energiequellen wie das Sonnenlicht möglichst optimal ausnutzen. Das dies keine einfache Aufgabe ist, soll nur ein einziges Beispiel verdeutlichen: Großflächige Glasflächen können im Frühling, Herbst und Winter zwar tagsüber genügend Sonnenenergie für ein optimales Raumklima einfangen, aber im Sommer zu Überhitzungen führen. Zu den energetischen und ökologischen Anforderungen an die Fassade gesellt sich außerdem noch der Schutz vor Lärmbelästigung, denn in unserer heutigen lauten und motorisierten Welt spielt auch die Schalldämmung eine große Rolle, wenn man die Qualität eines Gebäudes bewerten will.


zwei Beispiele für außergewöhnliche dreidimensionale Gebäudestrukturen

Am Schluss soll noch ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass nicht nur das Baumaterial, Ornamente und Art und Anzahl der Maueröffnungen, sondern auch die dreidimensionalen Strukturen des Baukörpers einen erheblichen Einfluss auf die Fassadenwirkung ausüben können. Damit ist allerdings nicht so sehr die die Monumentalität von Außenwänden gemeint, wenn sie Teil eines extrem hohen oder extrem breiten Bauwerks sind. Vielmehr hängt die optische Wirkung von Fassaden auch wesentlich davon ab, aus wie vielen und welchen geometrischen Körpern bzw. Grundeinheiten sich ein Gebäude zusammensetzt. Mit anderen Worten: Ein Baukörper muss nicht standardmäßig nur aus einem einzigem Quader auf rechteckigem Grundriss mit geraden und rechtwinklig aneinander grenzenden Fassaden bestehen. Die Gebäudeecken können abgerundet oder abgeschrägt werden, wobei dann regelmäßige oder unregelmäßige pentagonale bis oktogonale Baugrundrisse mit entsprechenden Auswirkungen auf die Fassaden entstehen. Ein rechteckiger Grundriss kann um einem Halbkreis erweitert werden. Die Außenwände können wie zu Zeiten des Barocks konkav und konvex schwingen. Durch Übereinanderbauen in der Höhe kleiner werdender Quader entstehen abgetreppte Fassaden. Wenn man einen Teil einer geraden Außenwand vorspringen lässt, gliedern Erker oder Risalite die Gebäudehülle. Mehrere Quader können miteinander zu einem komplexen Baukörper verschachtelt werden. Ein lang gestreckter Quader, wie z. B. ein Turm, kann unmittelbar an ein Gebäude angefügt werden. Gerade Außenwände können durch Loggien ausgehöhlt werden. So weit, so gut: Die Liste der dreidimensionalen architektonischen Strukturen, Körper und Variationen ist lang und vielfältig. Auch sie bleiben zweifellos nicht ohne Wirkung auf den optischen Eindruck einer Fassade. Oder: Die Geometrie des Baukörpers bestimmt ebenfalls wesentlich die Ästhetik von Außenwänden.

© 2014 Andreas Reuter (seitdem nicht mehr aktualisiert)

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