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Caspar David Friedrich und seine Heimatstadt Greifswald

eine kurze Einleitung zu seinem Leben, Malstil und Denkmalen in seinem Geburtsort

                 
   

Am 5. September 1774 erblickt in Greifswald Caspar David als 6. Kind des Lichtgießers und Seifensieders Adolf Gottlieb Friedrich das Licht der Welt. Seinen ersten Zeichenunterricht erhält er vom Greifswalder Universitäts-Zeichenlehrer Johann Gottfried Quistorp.

Auf dessen Rat hin schreibt sich Friedrich 1794 an der Kopenhagener Kunstakademie ein und kehrt 4 Jahre später nach Greifswald zurück. Im Herbst desselben Jahres lässt er sich endgültig in Dresden nieder und richtet dort sein Atelier ein. Am 7. Mai 1840 stirbt Caspar David Friedrich und wird auf dem Dresdener Trinitatis-Friedhof beigesetzt.

Von Dresden aus besucht Friedrich mehrmals seine Heimatstadt Greifswald: Für die Jahre 1801-1802, 1806, 1809, 1815, 1818 und 1826 lässt sich dies nachweisen. Bei seinem Besuch 1818 fertigt er das Aquarell "Der Greifswalder Marktplatz" an, das heute in der Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums hängt.
 

     
    
  Aquarell "Der Greifswalder Marktplatz"

 

 

 

In der Gemäldegalerie hängt auch ein Ölgemälde von Friedrich, die nach 1830 gemalte "Ruine Eldena im Riesengebirge". An diesem für ihn recht repräsentativem Gemälde kann man seine Motivwahl und seinen Malstil ein wenig charakterisieren:


"Ruine Eldena im Riesengebirge"

Caspar David Friedrich, der Mitbegründer der deutschen romantischen Malerei, war ein Landschaftsmaler, kein Portraitist. Zwar erscheinen nicht selten Personen auf seinen Gemälden, jedoch sind sie eher klein und häufig nur als Rückenfiguren dargestellt. Sie werden als eine von mehreren Komponenten in sein gemaltes Natursystem eingefügt und spielen dabei eine mehr oder weniger wichtige Rolle, oft eine kontemplative Nebenrolle.
Landschaftsmaler ist Friedrich also. Dennoch findet sich  in seinen Werken keine getreue Wiedergabe der Natur: Ideelle, träumerisch wirkende, häufig aus mehreren Komponenten zusammengesetzte Landschaften sind Kennzeichen seiner Werke. Das kann man auch an der "Ruine Eldena im Riesengebirge" erkennen: Sie ist eine Fiktion, denn die Ruine steht auch heute noch in einem Greifswalder Vorort und nicht im Riesengebirge. Friedrich hat in diesem Gemälde Eindrücke aus seiner Heimat und von einer Reise durchs Riesengebirge verarbeitet und zu einer ideellen Landschaft zusammengesetzt.
Die Ruine und die von unten beschienenen Wolken weisen auf weitere bedeutende Elemente in Friedrichs Werken: Aufstieg und Niedergang, Morgen und Abend werden häufig mit religiöser Tiefe thematisiert. Friedrich will in seinen Werken nicht nur einen reinen Sinnesgenuss bieten, sondern auch und vor allen Dingen Stimmungen erzeugen.


die Silhouette von Greifswald

Unterschiedliche Stimmungen erzeugen auch zwei Ölgemälde, auf denen Friedrich die Silhouette seiner Heimatstadt Greifswald im Hintergrund festhielt: "Wiesen bei Greifswald"  wirkt heiter und mit den spielenden Pferden im Mittelgrund fast ausgelassen, "Greifswald bei Mondschein" dagegen aufgrund der Dunkelheit dämonisch und zudem noch distanziert, da die im Mittelgrund aufgespannten Fischernetze eine nahezu unüberwindbare Barriere bilden.
 

     
   


Die Silhouette von Greifswald, wie sie Friedrich gesehen hat, kann man auch heute noch im wesentlichen nahezu unverändert betrachten, denn die Stadt  hat sich seitdem kaum in nördliche und westliche Richtung ausgedehnt. Dieser Blick von Norden und Westen auf die historische Innenstadt ist sogar denkmalgeschützt und heißt

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Jeder, der von Grimmen oder Stralsund anreist, sieht aus der Ferne die historischen Konturen Greifswalds und wird sogleich - bewusst oder unbewusst - mit einem Kapitel Kunstgeschichte konfrontiert.

Leider ist das Haus Lange Straße 57, in dem Caspar David Friedrich geboren wurde, 1901 abgebrannt. Heute erinnert eine Gedenktafel am backsteinsichtigen Nachfolgebau, dass hier Greifswalds berühmtester Sohn das Licht der Welt erblickte.

Gebäude Lange Straße 57
Haus Lange Straße 57


Inschrift auf der Friedrichschen Werkstatt

Das rückseitige Gebäude beherbergte einst die Friedrichsche Seifensiederei und Lichtgießerwerkstatt. Eine Inschrift in großen Lettern weißt unübersehbar darauf hin. Heute befindet sich in dem alten Backsteingemäuer und in dem gerade erwähnten Nachbargebäude Lange Straße 57 das Caspar-David-Friedrich-Zentrum. Das Zentrum ist übrigens auch Ausgangspunkt des so genannten Caspar David-Friedrich-Bildweges, eines beschilderten Rundgangs durch Greifswald auf den Spuren des großen Künstlers.

Neben der ehemaligen Seifensiederei und Lichtgießerwerkstatt ist auf einer Häuserwand eine Kopie von Friedrichs Gemälde "Mondaufgang am Meer" aufgetragen. Eine weitere malerische Anspielung auf Friedrich kann man nahe dem Ortseingang in der Stralsunder Straße erblicken: Das Grafitto auf einem Häusergiebel zeigt auf der rechten Seite eine mehr oder weniger präzise Imitation des Gemäldes "Die Lebensstufen".

Doch zurück zur ehemaligen Werkstatt und heutigem CDF-Zentrum: Wenn man nun einen Blick auf die ehemalige Seifensiederei und das daneben befindliche Grafitto-Gemälde geworfen hat, steht man bereits im Schatten des Domes St. Nikolai: Hier wurde der Maler 1774 getauft. Ein großer Teil der heutigen Innenausstattung des Mittelschiffes wurde später von seinem Bruder, dem Kunsttischler Christian Friedrich, geschaffen.

Am Marktplatz ist das Haus Nr. 10 noch von besonderem Interesse. Lange bevor die Sparkasse einzog, hat hier Friedrichs Bruder Heinrich gelebt. Das Aquarell "Der Greifswalder Marktplatz" zeigt nichts anderes als einen Blick aus diesem Hause auf den Marktplatz, den Caspar David 1818 während eines Besuches in seiner Heimat mit dem Pinsel festhielt. Bei einem Vergleich mit dem heutigen Aussehen des Greifswalder Marktplatzes wird man allerdings bemerken, dass er sich seitdem etwas verändert hat.

   
2010                                           1818

Nun sind es nur noch wenige Schritte bis zur Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums: Dort kann man neben dem schon erwähnten Aquarell und der "Klosterruine Eldena im Riesengebirge" auch weitere Werke des berühmten Malers bewundern.

Einen krönenden Abschluss einer Friedrich-Entdeckungsreise bilden mit Sicherheit noch ein Besuch der Klosterruine im Vorort Eldena und ein Blick auf den nahe gelegenen Greifswalder Bodden. Wenn möglich, bitte bei Dämmerung ...

© 2013 Andreas Reuter (seitdem nicht mehr aktualisiert)


"Mondaufgang am Meer"
Kopie an einer Hauswand


der Dom St. Nikolai

     
   

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